Frischeterminal

Einfach mehr Wissen!
 
  Das Frischeterminal soll dem Kunden Informationen zur Historie, zum aktuellen Zustand des Produkts sowie zum optimalen Handling nach dem Kauf bereitstellen und als Bindeglied zwischen ihm und dem Erzeuger bzw. Händler fungieren. So können Abfälle und Qualitätsverluste bei Obst und Gemüse reduziert werden.  
 

Code  

 
 
Frischeterminal-System für Obst und Gemüse -
ein Werkzeug für Konsumentenscheidungen

BMELV - Förderung von Innovationen zur Verbesserung der Information über Produkteigenschaften für Verbraucher


 Projektpartner

     - Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V. (ATB)

     - ESYS GmbH Berlin


Kontakt
Dipl.-Ing. Manfred Linke Email: mlinke@atb-potsdam.de Leibniz Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V. (ATB) Abteilung Technik im Gartenbau Max-Eyth-Allee 100, D 14469  
Obst und Gemüse sind im Hinblick auf Qualitätsverluste sehr empfindlich. Bereits nach der Ernte beginnt der Abbau von Speicherstoffen und wertgebenden Substanzen, welcher sich bis zum Verzehr fortsetzt. Die chemischen, enzymatischen aber auch mikrobiologischen Abbaureaktionen folgen abhängig von den jeweiligen Prozessbedingungen einem unterschiedlichen kinetischen Verlauf. Dabei gehen für die menschliche Ernährung wichtige Inhaltsstoffe verloren, wie beispielsweise Vitamine, Polyphenole, Zucker und Säuren. Und zwar lange bevor äußerlich wahrnehmbare Anzeichen (Verfärbungen, Weichwerden) die Vermarktungsfähigkeit einschränken oder das Erreichen einer Verderbgrenze signalisieren.

Lebensmittelverluste

Neben diesen äußerlich häufig nicht messbaren Verlusten an wertgebenden Inhaltsstoffen gehen internationale Studien davon aus, dass bis zu ein Drittel des produzierten Obst und Gemüses durch unsachgemäßes Handling nach der Ernte verdirbt, bevor es den Verbraucher erreicht [1]. Zudem besteht knapp die Hälfte aller Lebensmittelabfälle der Verbraucher aus Obst und Gemüse, was oft ebenfalls auf unsachgemäßes Handling und falsche Lagerung im Haushalt zurückzuführen ist.

Transparenz schafft Vertrauen

Derzeit kann der Verbraucher den aktuellen Produktzustand nur anhand äußerer Merkmale wie Farbe, Konsistenz oder Geruch vornehmen. Das erlaubt nur eine sehr grobe und je nach Produktart ungenügende Beurteilung. Es ist aber wichtig zu wissen, wie weit das Produkt bereits auf der „Verderb-Skala“ voran geschritten ist. Nur so kann der Kunde die tatsächliche Qualität der Ware richtig beurteilen, um anhand des Preis-Leistungs-Verhält-nisses eine Kaufentscheidung zu fällen. Auch der Handel würde profitieren, wenn er die bessere Qualität und Frische seiner Produkte für den Kunden sichtbar machen könnte. Größere Transparenz führt zu einem stärkeren Vertrauensverhältnis zwischen Erzeuger/Einzelhändler und Kunde, von dem letztlich beide profitieren.


 
   
  Informationsfluss

Im Fokus dieses Forschungsprojekts steht daher die Entwicklung eines innovativen Informationssystems, auf dessen Basis alle produktrelevanten Informationen zur Herkunft (Erzeuger, Sorte, Anbaumethoden, Erntetermin, u.a.) und zum aktuellen Frischezustand zusammengetragen und bereitgestellt werden können. Alle erfassten Informationen sollen vom Kunden über ein berührungsempfindliches Bedienterminal am Verkaufsort, aber auch per Mobiltelefon mittels QR– oder Strichcode sowie im Internet abrufbar sein: neben Informationen zur Herkunft des Produkts auch Aussagen zu dessen aktuellem Frischezustand, der über die erfassten Klimadaten berechnet werden kann. Damit stehen am Verkaufsort neben den historischen auch aktuelle Produktinformationen, also zur tatsächlichen Qualität des Produkts zur Verfügung.


Erstellung eines Haltbarkeitsmodels


Temperatur und Zeit sind die Parameter, die den Ab– und Umbau von Inhaltsstoffen maßgeblich beeinflussen. Wichtigstes Kriterium für die Haltbarkeitsbestimmung ist die thermische Belastung in der Nachernte, da die wesentlichen, enzymatisch gesteuerten Abbauprozesse stark temperaturabhängig sind. Die erarbeiteten Modelle zur Haltbarkeitsvorhersage erlauben Aussagen über den aktuellen Produktzustand, also zur Frische des Produkts, den Grad des Inhaltsstoffabbaus, oder zur Resthaltbarkeit bei unterschiedlichen Temperaturen u.a..





 
  Und nach dem Kauf?

Auch nach dem Kauf wollen wir dem Kunden wichtige Informationen mit auf den Weg geben: z.B. An- gaben zum optimalen Produkthandling zu Hause, also zur optimalen Form der Aufbewahrung, zur Zubereitung oder zum Verzehr. So soll der Kunde auch die Möglichkeit haben, über Eingabe seiner Zuhause bestehenden Aufbewahrungsbedingungen den aktuellen Zustand seines Produkts zu erfahren. Auch Tipps zum richtigen Waschen, Schälen und idealen Reifen noch nicht reifer Früchte oder Rezeptvorschläge sollen nicht fehlen. Hilfreich ist dies insbesondere bei exotischen Früchten, mit denen mancher Kunde nicht so vertraut ist. Darüber hinaus soll der Verbraucher auch die Möglichkeit erhalten, dem Erzeuger sein Feedback zu geben.

Literatur:

[1] Kader A.A.(2003): A Perspective on Postharvest Horticulture (1978–2003). HortScience 38(5): 1004-1008
 
  Voraussetzung für Aussagen zum Frischezustand sind Daten über die klimatische Belastung des Produkts entlang des Weges vom Erzeuger bis zum Verbraucher. Als letztes Messgerät in der Prozesskette erfasst ein zum Terminal gehörender Datenlogger die aktuellen Klimadaten während der Präsentation in der Verkaufstheke. Hierfür können bereits heute unterschiedliche schon bestehende Kontrollsysteme verwendet werden, bzw. optional ein von uns konzipiertes Datenloggersystem (Entwicklung im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF geförderten Verbundprojektes).


 
       
     
   
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